Neues aus der Wissenschaft

15.09.2026 | Späte Mutterschaft und Infertilität[NF1.1] im höheren Alter – eine weltweite Zunahme

Eine aktuelle Arbeit analysierte auf Grundlage der Global Burden of Disease (GBD)-Studie die weltweite Entwicklung der Infertilität bei Frauen höheren reproduktiven Alters (35-49 Jahre) von 1990-2023 (Du et al. Epidemiological trends, disparities, and developmental correlates of infertility in women of advanced maternal age, 1990–2023. Lancet Obstetrics, Gynecology & Women’s Health 2026). 

Ziel war es, zeitliche Trends, regionale Unterschiede und den Einfluss der sozioökonomischen Entwicklung auf die Krankheitslast zu untersuchen sowie zukünftige Entwicklungen bis 2036 vorherzusagen. Die Analyse umfasste Daten aus 204 Ländern und Regionen. Als Endpunkte dienten u.a. die altersstandardisierte Prävalenz (ASPR). Neben Trendanalysen wurden Indikatoren der gesundheitlichen Chancengleichheit, Länder-Analysen sowie  Alters-Perioden-Kohorten-Modelle verwendet.

Im Jahr 2023 waren weltweit rund 53,6 Mill. Frauen zwischen 35-49 Jahren von einer Infertilität betroffen. Die altersstandardisierte Prävalenz betrug etwa 6907 Fälle pro 100.000 Frauen. Seit 1990 nahm die Krankheitslast in allen Regionen der Welt kontinuierlich zu. Zwar verringerte sich die Ungleichheit zwischen Ländern mit hohem und niedrigem soziodemografischem Entwicklungsindex (SDI), gleichzeitig verlagerte sich jedoch die Hauptlast zunehmend in Länder mit höherem Entwicklungsstand. Die Modellrechnungen prognostizierten bis 2036 einen weiteren deutlichen Anstieg der Fallzahlen um ca. 49%.

Die Autoren interpretierten diese Entwicklung als Folge der weltweiten Bevölkerungsalterung, des zunehmenden Aufschiebens von Schwangerschaften sowie anhaltender Unterschiede beim Zugang zu reproduktionsmedizinischer Versorgung. Neben den biologischen Folgen des altersbedingten Rückgangs der ovariellen Reserve und der Eizellqualität spielen soziale und ökonomische Faktoren eine wesentliche Rolle. Die Studie unterstreicht, dass die Infertilität bei Frauen höheren Alters zunehmend ein globales Public-Health-Problem darstellt. Sie fordert gezielte Präventionsstrategien, einen verbesserten Zugang zur reproduktionsmedizinischen Versorgung sowie eine an den regionalen Bedarf angepasste Ressourcenplanung. Die Ergebnisse liefern eine wichtige Grundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen und zeigen, dass ohne geeignete Maßnahmen in den kommenden Jahren mit einer erheblichen weiteren Zunahme der Infertilität zu rechnen ist.

Prof. Dr. med. Christoph Dorn